Neue Studie: In Social Media zählt oft, wer etwas sagt – nicht was [10.06.26]
Ob auf Instagram, TikTok oder Facebook: Unsere Meinungen werden dort stärker von Personen und Gruppen, mit denen Nutzer:innen bereits verbunden ist, geprägt, als man vielleicht denkt. Eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Wolfgang Schweiger zeigt, dass Beiträge von Gruppen, mit denen wir uns identifizieren, für uns automatisch glaubwürdiger wirken – selbst dann, wenn sie mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun haben.
Für die Untersuchung ließ er rund 200 Teilnehmende durch einen simulierten Facebook-Feed scrollen. Vorher wählten sie jeweils eine Gruppe aus, mit der sie sich verbunden fühlen, und eine, von der sie sich eher distanzieren. Im Feed tauchten dann Meinungen zu einem fiktiven politischen Thema auf – mal überwiegend von der „eigenen“ Gruppe, mal eher von der anderen.
Das Ergebnis: Zwar wurden alle Beiträge ähnlich aufmerksam gelesen. Trotzdem schnitten die Aussagen der eigenen Gruppe klar besser in Sachen Glaubwürdigkeit ab.
Interessant ist dabei, wann dieser Effekt wirklich durchschlägt. Zum einen muss die eigene Gruppe im Feed in der Mehrheit sein. Zum anderen zeigt sich der Einfluss vor allem bei Menschen, die sich nicht besonders intensiv mit dem Thema beschäftigen. Wer sich gut informiert fühlt, lässt sich deutlich weniger von Gruppenzugehörigkeit leiten.
Überraschend: Es spielt keine Rolle, ob die Gruppe überhaupt etwas mit dem Thema zu tun hat. Selbst Beiträge aus einer Umweltgruppe können zum Beispiel Meinungen zu Steuerfragen beeinflussen – solange sie von „der eigenen“ Gruppe kommen und häufig genug im Feed auftauchen.
Die Ergebnisse werfen auch einen kritischen Blick auf soziale Netzwerke. Denn personalisierte Feeds zeigten bevorzugt Inhalte von Menschen und Gruppen, mit denen wir ohnehin verbunden sind. Genau das kann dazu führen, dass nicht das beste Argument überzeugt, sondern das vertrauteste.
Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Wer mit anderen Meinungen konfrontiert wird, verhärtet seine eigene Haltung nicht automatisch weiter – zumindest dann nicht, wenn die Diskussion sachlich bleibt. Vielfalt im Feed muss also nicht zwangsläufig zu mehr Polarisierung führen.

